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Berlinchen
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Bibel der Kirchengemeinde Berlinchen
 
 
mit Eintragung von 1848 nach dem Kirchenbrand
 
 
Von Johann Berlin (um 1920 geschrieben)

BERLINCHEN

Seine Vergangenheit und seine Umgebung

Druck und Verlag von Dr. Adolf Tienken, Pritzwalk

Motto: Der Vergangenheit Lehr, der Heimat zu Ehr!

„Sumpf und Sand sind des Märkers Heimatland“ so hat mancher im deutschen Vaterland unserer Heimat gespottet, der ihre schattigen Laubwälder, ihre lieblichen Seen, ihre von wogendem Korn bedeckten Felder nicht kannte. Aber auch wo Sümpfe und weite Sandstriche sich dehnen, nur hier unterbrochen von Kiefernheiden, hat der Märker, der Prignitzer seine Heimat lieb, und diese Liebe vertieft sich, je mehr er von der alten Zeit weiß, jener uralten vorgeschichtlichen Vergangenheit, wo gewaltige Naturmächte die Erdoberfläche unserer Prignitz gestalteten, wie der späteren Zeit, wo Menschen zuerst dem Boden in harter Arbeit seine Erträge abrangen, wo dann in schweren unruhigen Zeitläufen kriegerische Horden das Land verwüsteten. Der Väter saurer Schweiss hat uns diesen Boden zur Heimat gemacht, drum wollen wir sie ehren und lieben. Liebe zur heimatlichen Scholle ist es, die die folgenden Zeilen schreibt, um den Leser in eine Gegend der Prignitz zu führen, auf die der Vers von „Sumpf und Sand“ zutrifft, nach Berlinchen und in seine nähere und weitere Umgebung. Der Landstrich östlich der Dosse ist der sandigste und unfruchtbarste Teil der Prignitz. Aber die Seen, die Wiesentäler und Moore, die hier die Ackerfläche unterbrechen, die Nähe der herrlichen Wittstocker Heide geben der Umgebung von Berlinchen einen eigenen Reiz. Im 9. Heft der „Prignitzer Voksbücher“: „Der Mönchshof zu Dranse und die weitere Geschichte seiner“, wird erzählt, dass im Jahre 1233 ein mecklenburgischer Fürst dem Kloster Amelungborn 60 Hufen  am Dranser See zum Eigentum übergab. Etwa 40 Jahre später, im Jahre 1274 verkauften die Herren von Werle, ein Zweig des mecklenburgischen Fürstengeschlechts, das Dorf Lütten Berlin an das Kloster. Dieses Lütten Berlin oder Klein Berlin hiess später Berlinchen, lag aber nicht an der Stelle, wo das heutige Berlinchen liegt, südlich und westlich des Berlinchener Sees, sondern nordwestlich davon auf der Höhe zwischen dem See und der Wittstocker Heide. …

   

 

 

 



 

Über Ursprung und Bedeutung des Namens „Berlin“ haben sich die Gelehrten schon vielfach den Kopf zerbrochen. Unzählig sind die Deutungen des Namens. Allgemein bekannt ist die Ableitung von dem Worte „Bär“ und ebenso bekannt ist, dass die Hauptstadt einen Bären im Wappen führt. Diese Deutung ist aber jetzt völlig aufgegeben, ebenso wie die Ableitung von dem Wort „Perle“. Es ist sicherlich kein deutscher Name, sondern stammt aus dem Wendischen: Er kommt in ehemals wendischen Gebieten häufiger vor. So gibt es in Hinterpommern im Kreise Lauenburg 2 Dörfer dieses Namens, in Halle heissen zwei Plätze der grosse und der kleine Berlin, in der Neumark ist eine Stadt Berlinchen, in Mecklenburg ein Dorf Perlin. Hier seien nur die beiden in neuerer Zeit versuchten Deutungen angeführt. Nach der einen heißt Berlin so viel wie Mauserplatz, wo die Vögel ihre Federn verlieren (pero – Feder, linije – verlieren), nach der anderen ein mit hohem Kraut bewachsener Platz, denn „berlo“ bedeutet Stab, Schaft. Dieses Wort „berlo“ ist wieder aus dem lateinischen Wort „ferula“ in die slawischen Sprachen eingedrungen. (Ferula hieß ein krautartiges Gewächs mit goldgelben Blüten und starkem Schaft, der zu Stäben oder zu Ruten benutzt wurde). Vielleicht nannten die Wenden die Königskerze oder den Ginster „berlo“.

Dr. Adolf Tienken (um 1920)

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